TextGrid Nutzertreffen VII: „Archivieren und Publizieren“

Am 12. und 13. Mai 2015 fand im Tagungszentrum an der Göttinger Sternwarte das siebte TextGrid-Nutzertreffen statt. Der Themenschwerpunkt Archivieren und Publizieren verband Erfahrungsberichte aus Projekten, die TextGrid nutzen, mit Workshops zur fortgeschrittenen Nutzung von TextGrid Laboratory und Repository im Bereich der Publikation. Eine einführende Schulung zu Beginn erleichterte Neulingen den Einstieg in die Arbeit mit der Virtuellen Forschungsumgebung.

TextGrid bietet neben der langfristigen Archivierung geisteswissenschaftlicher Forschungsdaten im TextGrid Repository weitere Wege, im TextGridLab generierte Forschungsdaten zu publizieren – digital wie analog: Zum einen die „Skalierbare Architektur für Digitale Editionen" (SADE), die es ermöglicht, XML-/TEI-Daten aus dem Lab in einem eigenen Online-Portal zu veröffentlichen, zum anderen das Werkzeug KoLibRi für den Import und die Publikation vieler Objekte sowie die Kooperation mit „XML-Print", einem ergonomisches Satzsystem für kritische Editionen auf XML-/TEI-Basis. Das Nutzertreffen stellte Einsteigern und Fortgeschrittenen verschiedene Lösungswege vor, geisteswissenschaftliche Forschungsdaten via TextGrid langfristig und nachnutzbar online verfügbar zu machen - sowohl am Beispiel spezifischer Forschungsvorhaben, als auch im Rahmen von Hands-On-Workshops.

Am Vortag des Nutzertreffens fand, ebenfalls an der Sternwarte Göttingen, der von DARIAH-DE ausgerichtete Workshop Store it, share it, use it. Lizenzierung digitaler Forschungsdaten in den Sprach- und Literaturwissenschaften statt (11./12.05.2015). In bewußter thematischer Ergänzung richteten sich beide Veranstaltungen, Workshop und Nutzertreffen, an Sprach- und LiteraturwissenschaftlerInnen, die im Rahmen ihrer Forschungsvorhaben digitale Archivierungs- und Publizierungslösungen erarbeiten wollen. 

Die Veranstaltungen konntenen "en bloc" oder separat besucht werden.

Programm am 12. Mai

13:00: Registrierung
14:00-14:15: Begrüßung (Dr. Wolfram Horstmann, SUB Göttingen)
14:15-15:45: Oliver Schmid (TU Darmstadt): Einführung in TextGrid  (Workshop)
Thomas Kollatz (Steinheim-Institut Essen)/Philipp Vanscheidt (TU Darmstadt): Publizieren mit TextGrid (Workshop)
15:45-16:15: TextGrid-Café (Posterpräsentation, Gespräche, Diskussion)
16:15-16:45: Eröffnung
16:45-17:00: Maximilian Brodhun/Stefan Funk (SUB Göttingen): Das TextGrid Repository. (Vortrag)
17:00-17:30: Elmar Mittler (SUB Göttingen) / Oliver Schmid (TU Darmstadt): „TextGrid easy" – Erfahrungen beim Einsatz von TextGrid im akademischen Unterricht und bei der Vorbereitung einer digitalen Edition von Bellifortis. (Vortrag)
17:30-17:45: Kaffeepause
17:45-18:15: Ole Fischer/Arno Michalowski (Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, Stuttgart): Projektvorstellung - Ein Pilotprojekt zur Digitalisierung von Hahnemann-Handschriften am Beispiel eines Krankenjournals. (Vortrag)
18:15-20:00: Gottfried Reeg (FU Berlin): Formen synoptischer Darstellung anhand mit TUSTEP erstellter Editionen. (Vortrag)
20:00: Gemeinsames Abendessen

Programm am 13. Mai

09:00: Registrierung
10:00-11:30: Judith Lange (BBAW)/Philipp Vanscheidt (TU Darmstadt): Veröffentlichungen mit CSS anpassen (Workshop)
11:30-12:30: Mittagsimbiss
12:30-12:45: Hannes Riebl (SUB Göttingen):  eXist, SADE und das Neologie-Portal (Vortrag)
12:45-14:00: Mathias Göbel/Ubbo Veentjer (SUB Göttingen): TextGrid und Scalable Architecture for Digital Editions (SADE) (Workshop)
14:00: Ende der Veranstaltung

Vorträge

Referent Thema
Maximilian Brodhuhn
Stefan Funk
TextGrid Repository
Elmar Mittler
Oliver Schmid
„TextGrid easy" – Erfahrungen beim Einsatz von TextGrid im akademischen Unterricht und bei der Vorbereitung einer digitalen Edition von Bellifortis.
Ole Fischer
Arno Michalowski
Projektvorstellung – Ein Pilotprojekt zur Digitalisierung von Hahnemann-Handschriften am Beispiel eines Krankenjournals.
Gottfried Reeg Formen synoptischer Darstellung anhand mit TUSTEP erstellter Editionen.
Hannes Riebl eXist, SADE und das Neologie-Portal

„TextGrid easy" – Erfahrungen beim Einsatz von TextGrid im akademischen Unterricht und bei der Vorbereitung einer digitalen Edition von Bellifortis.

Seit mehreren Jahren wird an der Universität Göttingen im Rahmen eines Seminars zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen beim digitalen Edieren und Publizieren für Historiker und Philologen in TextGrid eingeführt. Für die Lehrveranstaltung wurde ein didaktisches Konzept entwickelt, das auch ungeübten Einsteigern das Arbeiten mit TextGrid nach kurzer Einarbeitung ermöglicht. Dabei wurde der komplette Arbeitsprozess basierend auf TextGrid gestaltet: vom Datenimport mit dem Lab bis zur Publikation der Edition im Repository und einer eigenen Webseite mit Hilfe von SADE. Auf diese Weise entstand mit Conrad Kyesers "Bellifortis" der Prototyp einer digitalen Edition einer mittelalterlichen Handschrift der SUB Göttingen.

Projektvorstellung – Ein Pilotprojekt zur Digitalisierung von Hahnemann-Handschriften am Beispiel eines Krankenjournals.

Der Nachlaß Samuel Hahnemanns, des Begründers der Homöopathie, befindet sich im Archiv des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung (IGM). Dazu gehören vor allem seine Krankenjournale und eine umfangreiche Korrespondenz. Dieser für die Homöopathiegeschichte einmalige Quellencorpus dokumentiert eine über 40 jährige zusammenhängende Praxistätigkeit für den Zeitraum von 1800 bis 1843. Seit 1989 werden am IGM im Rahmen wissenschaftlicher Arbeiten einzelne Patientengeschichten, Briefwechsel und komplette Krankenjournale nach einheitlichen Editionsrichtlinien transkribiert. Diesen in verschiedenen Word-Formaten vorliegenden Transkriptionen gilt das Interesse des Pilotprojektes. Erarbeitet werden soll ein Metadaten-Schema zur Erfassung der Textdaten. Perspektivisch sollen auch die Publikation und die Archivierung der digitalen Repräsentation ins Auge gefasst werden.

Formen synoptischer Darstellung anhand mit TUSTEP erstellter Editionen.

Schon seit der Antike sind synoptische Texte bekannt, so z.B. die Hexapla, in der sechs verschiedene Versionen der Bibel nebeneinander stehen oder ein spanisch hebräischer Codex aus dem 15. Jh., in dem neben einem Haupttext inhaltliche Varianten aus anderen Werken zitiert werden.

Synoptische Editionen sind wegen ihrer Möglichkeiten der Darstellungen bei einigen Editoren sehr beliebt, da mit ihnen die Vielfältigkeit der Überlieferung eines Text in einer Edition dargestellt werden. Die Hauptschwierigkeiten bei der Erstellung einer solchen Edition ist die Zuordnung der einzelnen Teile, vor allem dann, wenn noch Übersetzungen, kritische Apparate
oder Kommentare berücksichtigt werden müssen.

Bei den Editionen, an denen ich seit 1972 beteiligt war, überwiegen Synopsen unterschiedlichster Art: Zeilensynopsen, Spaltensynospen, Seitensynopsen oder Synopsen mit textkritischem Apparat.

Jede dieser Editionen hatte ihre Besonderheiten. Einerseits konnte auf erste Abläufe und Prozeduren zurückgegriffen werden, andererseits waren bedingt sowohl durch die Wünsche und Vorstellungen der Herausgeber wie auch durch Rechnerwechsel und Programmentwicklungen Änderungen notwendig. An die Stelle von FORTRAN-Programmen, die die synoptische Textzuordnungen vornahmen und die auf Unterprogrammen von TUSTEP basierten, traten parametergesteuerte TUSTEP-Programme, während seit einigen Jahren von mir ausschließlich TUSCRIPT-Prozeduren eingesetzt werden, da sie für die zum Teil recht komplexen Vorgänge der Zuordnungen besser geeignet sind. Der Satz der Editionen erfolgte immer mit dem Satzprogramm von TUSTEP.

eXist, SADE und das Neologie-Portal

Die Bibliothek der Neologie ist ein DFG-gefördertes Langzeitprojekt mit dem Ziel, ausgewählte Texte der Neologie als Strömung der deutschen Aufklärungstheologie in kritischer Hybrid-Edition (gedruckt und digital) bereitzustellen. Seit März ist das Projekt mit einem eXist- und SADE-basierten Portal online. Dort werden in den nächsten Monaten auch die ersten edierten Texte veröffentlicht. Die Erschließung der Texte erfolgt in TextGrid. Im Vortrag werden das Portal und die verwendeten SADE-Komponenten kurz vorgestellt.

Workshops

Im Fokus der Workshops steht die eigene Erfahrung im Umgang mit dem TextGridLab. Nach einer einführenden Präsentation werden sich interaktive Übungen und eigenständig zu lösende Aufgaben abwechseln, in denen die TeilnehmerInnen die erlernten Arbeitsschritte wiederholen können.

Einführung in TextGrid (12. Mai, 14:15–15.45 Uhr)

Die Schulung gibt zunächst einen Überblick über die wichtigsten Werkzeuge des TextGridLab und deren grundlegende Funktionen. Den Schwerpunkt der Veranstaltung bilden dann die Kernfunktionen der Objektverwaltung und des Metadaten-Editors.

1. Wie ist die Oberfläche aufgebaut und welche Besonderheiten sind bei Eclipse zu beachten?
2. Wie werden Projekte verwaltet, wie werden Rechte an andere NutzerInnen vergeben?
3. Wie generiere ich Daten, wie importiere (und wie exportiere) ich sie?
4. Welche Metadaten sind für die Objektverwaltung wichtig?
5. Welche Voraussetzungen sind für die Publikation von Objekten notwendig?

Zielgruppe des Einsteiger-Workshops sind hauptsächlich diejenigen TeilnehmerInnen, die im Umgang mit TextGrid im allgemeinen bzw. der Datenverwaltung im speziellen noch keine oder wenig Erfahrung gesammelt haben. Die Schulung kann aber gerne auch als Einstieg für die Veranstaltungen für Fortgeschrittene genutzt werden.

Publizieren mit TextGrid (12. Mai, 14:15–15:45 Uhr)

TextGrid bietet verschiedene Wege, um Forschungsdaten und -ergebnisse zu publizieren. Auf der einen Seite lassen sich Editionen und Sammlungen direkt publizieren. Zu diesem Zweck sind Kenntnisse der Metadatenschemas notwendig, die in dem Workshop vermittelt werden sollen. Auf der anderen Seite besteht die Möglichkeit, auch große, bereits existierende Objektsammlungen mit dem Werkzeug KoLibRi ins Repositorium zu importieren oder direkt zu publizieren. Anhand einer Bildersammlung sollen die verschiedenen Optionen dieser Software in der Schulung erläutert und ausprobiert werden.

Veröffentlichungen mit CSS anpassen (13. Mai, 10:00–11:30 Uhr)

Das TextGrid-Repositorium bietet nicht nur die Möglichkeit, Forschungsdaten und -ergebnisse zu veröffentlichen, es bietet mittlerweile auch die Möglichkeit, die Erscheinung dieser Daten über kaskadierenden Stilvorlagen (CSS) in publizierten XML-Dateien deren Darstellung zu beeinflussen. In dem Workshop sollen die Grundlagen von CSS sowie deren Festlegung im <teiHeader> einer XML-Datei erläutert werden. Demonstriert wird dies anhand eines mediaevistischen Forschungsprojektes und erprobt unter Zuhilfenahme der Webvorschau im TextGrid XML-Editor. Zu diesem Zweck werden Transformationen mit erweiterbaren Stilvorlagen (XSLT) genutzt, deren grundlegende Funktionsweise in dem Workshop ebenfalls geübt wird.

TextGrid und Scalable Architecture for Digital Editions (SADE) (13. Mai, 12:30–14:00 Uhr)

SADE ist ein eXist-basiertes Publikationstool für digitale Editionen, das direkt an das TextGridLab angebunden ist. In diesem Hands-On-Workshop nutzen wir die SADE-Referenzinstanz, auf der die Teilnehmenden eigene oder bereitgestellte Beispieltexte veröffentlichen können. Kurz vorgestellt wird auch eine Möglichkeit, Verknüpfungen von Text und Bild mithilfe des Text-Bild-Link-Editors auszuzeichnen und digital zu publizieren.

Kontakt

Sollten Sie noch Fragen haben, können Sie sich gerne an Philipp Vanscheidt (Technische Universität Darmstadt/Universität Trier) wenden:vanscheidt@linglit.tu-darmstadt.de